Von Stroh zu Stahl

Wir schreiben 1863. In London geht die erste U-Bahn der Welt in Betrieb. In Amerika toben Bürger- und Indianerkriege, während Erfinder sich Feuerlöscher und Rollschuhe patentieren lassen. In Wuppertal entsteht ein Unternehmen, das einmal das Aspirin entwickeln wird. Und im mecklenburgischen Örtchen Grabow stellt der Strohhutfabrikant Eduard Prosch fest: Es wird Zeit, den Broterwerb auf eine stabilere, langfristig sichere Basis zu stellen. Die Region ist im wirtschaftlichen Aufschwung, überall wird gebaut, Handwerker sind im Dauereinsatz. Sie alle haben Bedarf – an Schrauben und Nägeln, Hämmern und Sägen, Stahl, Bau- und Steinzeugartikeln. Hier sieht Prosch seine Zukunft: als Zwischenhändler mit einem Lager, das alles auf Vorrat hält, was das Handwerk täglich braucht. Am 6. Juli 1863 legt Eduard vor dem Stadtrat rund um Bürgermeister Floerke den Bürgereid ab und eröffnet in seinem Wohnhaus in der Kanalstraße 6 offiziell das Geschäft, das bis heute seinen Namen trägt. Neben Eisenwaren gehören auch Kohlen zum Sortiment von „Ed. Prosch“. Eduards Gespür ist goldrichtig: Schon bald sprengt die Nachfrage die vorhandenen räumlichen Kapazitäten und verlangt nach einem Ausbau. Es kommen strategisch günstige Grundstücke für größere Lager am Hafen, an der Bahn und nebenan, in der Kanalstraße 7, dazu. Ahnen konnte er das damals vermutlich nicht, aber mit dieser Weitsichtigkeit legte Eduard Prosch nicht nur den Grundstein für die Zukunft seiner Söhne Otto und Gustav. Überdies begründete er eine außergewöhnliche Tradition, die bis zum heutigen Tag Bestand hat: Jeder Prosch an der Spitze des Unternehmens steht – zunächst als Einzelperson, dann in einer Offenen Handelsgesellschaft (OHG), bis dato in der Kommanditgesellschaft (KG) – persönlich haftbar für dessen Gedeih und Verderb ein. Vom Eigentümer verlangt das stete Umsicht und Verantwortungsbewusstsein, die Grundlagen eines jeden guten Kaufmanns. Bei den Kunden bürgt es für ihr Vertrauen in die sichere Zuverlässigkeit ihres Händlers.