Kommt Zeit, kommt Rat

Die Bestandsaufnahme der Ed. Prosch KG nach 1945 fällt erschreckend kurz aus: Alles weg. Die Wehrmacht hatte Männer und Fuhrpark, die russischen Befreier den Warenbestand mitgenommen. Von dem, was die Familie im Krieg versteckte und vergrub, findet sich vieles nicht mehr an. Faktisch besteht die Firma nur noch aus ihrem Namen und leeren Hinterhofgrundstücken. Doch die Worte der Väter über die Wahrung des Erbes hallen in Eduard, Heinrich und Hans-Christian Prosch stark nach. Schon fast 50-jährig bauen sie neu auf:
Hans- Christian müht sich in Lübz mit Kohlen, Eduard in Perleberg und Heinrich in Grabow mit Stahl, den die Brüder zunächst aus gesprengten Munitionsbunkern holen. 1953 trifft sie ein weiterer Schicksalsschlag: Heinrich verstirbt während der Juniaufstände nach Stasi-Haft. Trotz allem, auch trotz der vielen Schwierigkeiten, die die DDR Privatwirtschaftlern bereitet, bleibt Eduard eisern. Seine bescheidene Existenz hängt unter anderem an einem Vertrag mit der lokalen Einkaufs- und Liefergenossenschaft Metall, für die Eduard, der selbst keine Waren zugeteilt bekommt, auf Provision Stahl umschlägt. Kleinere Artikel wie Eisenwaren und Werkzeuge verkauft er auf eigene Rechnung. Es sind endlose Mühen für immer nur kargen Gewinn. Als Eduard 1978 stirbt, übernimmt der Ehemann der Prosch-Tochter Marianne, Wolfgang Kümmel, als Komplementär die Verantwortung und setzt sich in den nächsten zwölf Jahren für das Fortleben der
Ed. Prosch KG ein. Eduards Sohn Hartmut, zu dieser Zeit bereits promovierter Betriebswirtschaftler und stiller Gesellschafter der KG, erarbeitet sich derweil in Schwerin in der Baustoffversorgung Erfahrungen, Ansehen und Position. Dass er sein Wissen in den Dienst der volkseigenen Wirtschaft würde stellen müssen, war dem Vater klar gewesen, als er dem Sohn auf dessen Wunsch hin das Studium ermöglichte – in weiser Voraussicht: „Was Du im Kopf hast, kann Dir keiner nehmen. Kommt Zeit, kommt Rat, es soll zum Schaden der Firma nicht sein. Die Zeiten ändern sich auch wieder.“